Die Krippe

Wir alle kennen sie – die klassische „Krippe“:
Ein Stall, Maria, Josef und das kleine Jesuskind, im strahlenden Licht des Sterns von Bethlehem.
Was viele von uns nicht wissen: Maria und Josef waren Flüchtlinge, wie heute ca. 60 Millionen Menschen weltweit. Nach Deutschland kamen in den vergangenen 2 Jahren mehr als eine Millionen. Es sind vor allem junge Menschen, die vor Angst, Terror und Krieg flüchten. Für uns ist so etwas kaum vorstellbar. Sie lassen alles zurück – ihre Häuser, ihre Familien, Freunde, Haustiere, den Job, das einst schöne Leben. Ihr Fluchtweg ist lebensgefährlich. Schleuser machen sich ein Geschäft daraus verzweifelte Menschen, jenseits moralischer und humanitärer Umstände, von Land zu Land zu transportieren. Sei es in überfüllten LKWs und Booten, oder der kilometerlange Fußmarsch durch die Wüste, geplagt von Ungewissheit, ob sie die Reise überleben werden.

Die Krippe, an der ich in den letzten Monaten gearbeitet habe, greift alle Elemente einer klassischen Krippe auf. Sie ist zur Zeit in Bonn in der Sankt Franziskus Kirche aufgebaut und darf gern besichtigt werden.
Zu sehen ist ein geschlossener Grenzzaun, ein Zelt, an Stelle des traditionellen Stalls und ein typischer Grenzstrahler, der für den Stern von Bethlehem steht und Maria und Josef den Weg zur Grenze zeigt.
Maria und Josef kommen gerade in dem Lager an, sichtlich erschöpft und müde, unwissend, ob die Grenz-Polizei sie passieren lässt. Wir alle kennen solche Bilder aus dem Fernsehen. „Gestrandete“ Flüchtlinge in Massen-Camps, tausende Leute auf engstem Raum ohne ein festes Dach über dem Kopf, unter katastrophalen hygienischen Umständen.
Was wohl kaum zu übersehen ist: Maria ist hochschwanger, der kleine Jesus ist unterwegs.

Doch was passiert als nächstes :)?

Die gesamte Szenerie wird zu jedem Advent umgestaltet. Maria und Josef werden wohl noch ein Weilchen vor der geschlossenen Grenze ausharren müssen. Werden wir an Weihnachten ein gesundes Baby zu Gesicht bekommen? Und wird die frisch gebackene Familie am Ende die Grenze doch noch überqueren können, mit Hoffnung auf ein neues Leben auf sicherem Terrain?


1. Advent

Ankunft im Flüchtlingslager


3. Advent

Warten...Warten...Warten


4. Advent

Maria liegt in den Wehen


Nach Weihnachten

Der Grenzzaun wurde geöffnet